Philosophie

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Samstag 03.06.2017 Geschlossen
Sonntag 04.06.2017 ab 18.00 Uhr
Montag 05.06.2017 Geschlossen

Geöffnet:

Mo. – Do.
18:00 – 01:00 Uhr
Fr. – Sa.
18:00 – 03:00 Uhr

Happy Hour:

Mo.
18.00 – 22.00 Uhr
Di. – Sa.
und vor Feiertagen
18.00 – 20.00 Uhr

Philosophie

Die Bar

“Schön Sie zu sehen, …” und eine Basslinie,
getragen von einem bestechend leichten Rhythmus,
schwebt durch den Raum. Und die Stimmen der vieles
wissenden Barkeeper vertreiben jeden Zweifel:

Die Bar, ist die glitzernde Stätte der Ausweglosigkeit,
der Kristallisationspunkt der “das Leben” Suchenden.

Die Bar, das ist die bar, was im Englischen schlicht die
110 Zentimeter hohe Theke meint, die Schranke
zwischen Tag und Traum, nüchterner Helle und
erlösendem Nebel; Stätte der Befreiung vom Ich
wie auch des Abtauchens ins Ich.

Die Bar ist lichtscheu, die Wirklichkeit in Dämmerlicht
und Dunkel und eine unbestimmte Erregung keimt auf.
Die Bar kennt keine Klassen, wer vor seinem Drink hockt,
gehört dazu, zur geschlossenen Gesellschaft
aus einsamen oder heiligen Trinkern, Frustrierten und
Erfolgsverwöhnten, aus erotische Abenteuer
oder exotische Begegnungen Erhoffenden, so scharf und
bunt gemixt wie die 500 alkoholischen Drinks, die in
guten Bars offeriert werden.

Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem
Barhocker. Wenn das Eis, gehackt oder in Würfeln, im Russian
oder Gimlet oder Martini on the rocks leise knackend schmilzt
und der erste Schluck heißkalt hinunterbrennt, dann zieht das
Dasein helle Tapeten auf. Alles Irreal natürlich, aber was für ein
Dasein !

Der Raum, um den es geht, heißt dort meist “Cocktail Bar”. Und
das ist es ja, was ungeachtet aller Nuancen, das Fundament
jeder Bar ausmacht: die hohe Kunst des Mixens, die Kreation
belebender oder berauschender Tränke immer auf der soliden
Basis harter Stoffe wie Scotch oder oder Bourbon-Whisky, Gin
oder Wodka, gelegentlich Brandy , Tequila oder Rum pur.

Weintrinker verderben den Charakter der Bar, und der
Ausschank von Bier beschleunigt ihren Niedergang.

Schon der Ausblick auf die buntetikettierten Flaschenbatterien
lässt das Herz jedes Bar-Hockers höher schlagen.

Quirlige Atmosphäre! Barmänner füllen beidhändig die Cocktailgläser mit gezielten Güssen randvoll. Die Männer arbeiten zügig und konzentriert,
aber ohne jegliche Hast. Sie haben die ruhige, sichere Hand
von Chirurgen beim Griff nach den Flaschen und beim
Positionieren der gekühlten Gläser. Sie beherrschen den small
talk perfekt, ohne sich ablenken zu lassen.

Am Platz jedes Gastes liegt stets ein neues
Streichholzmäppchen. Das Scharren des Eisschaufelns,
der Rhythmus des Shakers, das Klirren von Gläsern, die durch den
Raum ziehenden Redeschwaden, das ist das belebende,
einlullende Fluidum der Bar, die Gesten des Mixens ihr
unabdingbares Ritual.

Man versteht, warum einer wie Hemingway ein Gutteil seines
Lebens zwischen Stehpult und Bartheke zubrachte.

Die Bar, eine der friedvollen Institutionen in diesem grausamen
Jahrhundert.

Zerstörte Mythen – vielleicht kehren Sie noch mal zurück.

Michèle und Frank Weiser